Gib mir fünf!

5G hält in Berlin Einzug. Rasante Geschwindigkeiten beim mobilen Datenverkehr winken.
Welche Veränderungen bringt die neue Mobilfunkgeneration mit –
und was erhoffen sich Anwender jenseits des Privatkundenbereichs von der Technologie?

Berlin ist hier wirklich einmal Vorreiter in Deutschland. Im Oktober 2017 wurden in der Hauptstadt die ersten zwei 5G-Mobilfunkbasisstationen in das Livenetzwerk eines Mobilfunkunternehmens eingebunden und unter realen Bedingungen getestet. Die Deutsche Telekom errichtete die beiden 5G-Mobilfunkbasisstationen in der Winterfeldstraße in Schöneberg sowie in der Leipziger Straße in Mitte. In den vergangenen beiden Jahren wurden in diesem Gebiet an weiteren 18 Standorten 5G-Antennen aktiviert. Die kommerzielle Nutzung, so Svenja Fritz, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, beginnt unmittelbar nach der Zuteilung der ersteigerten 5G-Frequenzen durch die Bundesnetzagentur: „Wir erwarten dies in Kürze. Wir erwarten auch, dass die frühzeitige Verfügbarkeit von 5G die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Berlin generell erhöht.“

Die zahlreichen innovativen Berliner Unternehmen sollen so schon in Kürze die Chance bekommen, die Vorteile des neuen 5G-Mobilfunks nutzen zu können. Und was sind das für Vorteile? Niels Hafenrichter, Pressesprecher der  Deutschen Telekom AG, erläutert: „Durch 5G wird sich unser Netz stärker den Bedürfnissen der Kunden anpassen können. Es wird extrem hohe Datenraten ermöglichen, mit denen Sie zum Beispiel hochauflösende Filme in Sekundenschnelle laden können – auch wenn sich viele weitere Nutzer in der Nähe befinden, wie bei Großveranstaltungen. Insbesondere die Industrie und die Logistikbranche werden von 5G für eine Vielzahl von Anwendungen profitieren. 5G wird die Vernetzung von Milliarden von Dingen ermöglichen, also das Internet der Dinge. Was für die Industrie besonders wichtig ist, ist die Reaktion des Netzes quasi in Echtzeit. Das sind Eigenschaften, die für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind – etwa Industrie 4.0 und virtuelle Realitäten.“ Konkret, so Hafenrichter weiter, werden jetzt zunächst vor allem Firmen profitieren, die den neuen Standard etwa in ihrer Fertigungshalle oder in einem Fuhrpark für das Internet der Dinge nutzen. Im Hinblick auf die Zukunft kommt vernetztes Fahren hinzu, denn erst durch die Anbindung über Mobilfunk kann das Fahrzeug von aktuellen und lokalen Verkehrshinweisen profitieren oder mit der Verkehrsinfrastruktur wie etwa Ampeln kommunizieren: „Das ist insbesondere für Logistikunternehmen interessant“, ergänzt Hafenrichter. „Mit 5G können Geräte, Fahrzeuge oder Container auf den Meter genau geortet werden. Ergänzt man die Daten um zusätzliche Informationen, nimmt die Genauigkeit nochmals deutlich zu – das verbessert die Möglichkeiten bei der Navigation und in der Logistik immens.“

In Planung sind zudem bereits intelligente Verkehrsleitsysteme, bei denen sich die Ampelschaltung am tatsächlichen Verkehrsaufkommen orientiert. Dass auch vor allem das Automobil bei 5G (und dem darauf unaufhaltsam folgenden 6G) eine mögliche zentrale Rolle im Rahmen autonom fahrender Fahrzeuge spielen wird, betont auch Prof. Dr.-Ing. Friedel Gerfers vom Institut für Technische Informatik und Mikroelektronik an der TU. Gerfers arbeitet an der Forschung und Entwicklung rund um die neuesten 5G- und 6G-Kommunikationssysteme in Berlin: „Grundsätzlich verbindet man mit den Schlagwörtern 5G- und 6G-Mobilfunkstandard die steigende mobile Übertragungsbandbreiten. Wir in Deutschland sind aber grundsätzlich sehr langsam, auch schon was die 4G- oder LTE-Einführung betrifft. Ähnlich sieht es jetzt beim 5G-Infrastrukturaufbau aus.“ In den USA und vielen Ländern im asiatischen Raum sei das anders, meint Gerfers, aber er hofft, dass wir hier in den nächsten ein bis zwei Jahren gut vorankommen. Aber selbst dann sei die 5G-Netzabdeckung bis dahin im Vergleich tatsächlich immer noch gering.

 

Sukzessiver Ausbau in Berlin

Auf der IFA wurde in ausgewählten Bereichen eine 5G-Mobilfunkversorgung ermöglicht, so Senatssprecherin Fritz. So wollte man bei dieser großen technologie-orientierten Messe mit Besuchern aus aller Welt zeigen, dass 5G in Berlin zumindest teilweise angekommen ist. Vodafone hat unterdessen neben der Telekom als zweiter Mobilfunknetzbetreiber auf bereits verfügbaren Frequenzen die kommerzielle 5G-Nutzung begonnen und eine 5G-Mobilfunkbasisstation in Adlershof in Betrieb genommen. Zwei weitere 5G-Mobilfunkbasisstationen sollen in Berlin folgen. Senatssprecherin Fritz: „Die innovativen Berliner Firmen finden sich in großer Zahl in den Berliner Zukunftsorten, wie dem Technologiepark Adlershof, dem CHIC oder zukünftig auch dem SIEMENS-Innovationscampus. Die können zuerst von einer 5G-Mobilfunkversorgung profitieren. Wir erwarten, das dann innerhalb weniger Jahre ein großer Teil Berlins eine 5G-Mobilfunkversorgung erhält. Dabei haben nach den Zukunftsorten die Veranstaltungsorte, die frequentierten Straßen und Plätze sowie der öffentliche Untergrundverkehr Priorität.“

Die Telekom plant, nach dem Auftakt in der Hauptstadt rasch flächendeckend aktiv zu werden, so Hafenrichter: „Der Ausbau startet in sechs deutschen Städten: Zunächst in Berlin und Bonn, dann folgen Darmstadt, Hamburg, Leipzig und München. In den nächsten 18 Monaten sollen die 20 größten Städte Deutschlands mit 5G angebunden werden. In diesen Ballungsräumen leben viele Menschen, die täglich unterwegs sind. Wir denken, dass diese besonders hohen Nutzen aus neuen 5G-Anwendungen ziehen werden. Somit beginnt die Telekom den 5G-Ausbau in Metropolen und weitet das Netz sukzessive in weniger dicht besiedelten Gebieten aus.“ Bis 2025 schon will der Konzern 99 Prozent der deutschen Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche Deutschlands mit 5G versorgt haben. Damit würden Funklöcher Vergangenheit werden. Wie das funktioniert, erklärt Telekomsprecher Hafenrichter: „Bei 5G gibt es nicht ein Netz für alles, sondern viele virtuelle Netze, die bestimmte Anforderungen erfüllen. Dieses Prinzip nennt man Network-Slicing. Manche Anwendungen verlangen möglichst große Datenübertragungsraten, andere haben nur kleine Datenmengen zu übertragen, die aber mit möglichst geringer zeitlicher Verzögerung ankommen müssen. Das gilt beispielsweise für die Steuerung einer Drohne oder Robotersteuerungen in Fabriken. Für Smart Cities wird dagegen eine möglichst stromsparende Anbindung unzähliger Gegenstände an das Internet der Dinge gewünscht. Es wird also eine Vielzahl von Netzen und Netzteilen geben, die parallel unterschiedliche Funktionen bedienen.”

 

Die Entwicklung geht bereits weiter

5G ist noch gar nicht wirklich angekommen in Deutschland, da beschäftigen sich Forscher bereits mit der nächsthöheren mobilen Übertragungsbandbreite, dem 6G. Prof. Gerfers: „Bildlich gesprochen überträgt ein Kanal im 5G-Standard eine Lkw-Ladung an Daten. Der 6G-Standard überträgt eine ganze Zugladung. Hier findet sozusagen eine Verflachung der Datenübertragung statt.”

Wann rechnen Sie denn mit der Einführung, Prof. Gerfers? „Ich denke, erste Tests der Netzbetreiber werden 2024 oder 2025 beginnen. Zwei bis drei Jahre später kommt dann voraussichtlich auch die Markteinführung.“