Eine neue
Zeit für Berlin

Berlins Immobilienmarkt steht vor großen Herausforderungen. Knapp zwei Jahre nach dem Start der rot-rot-grünen Koalition zogen Berlins Gestalter
beim Runden Tisch des Berliner Verlags eine Zwischenbilanz – und diskutierten über die drängendsten Probleme.

Ganz besonders brisant war diese Veranstaltung. Denn: Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, gab nur wenige Stunden zuvor offiziell den Senatsbeschluss für die Eckpunkte eines Mietendeckels bekannt. Beim Dinner im Berliner Capital Club nahm Lompscher dazu Stellung. Der Beschluss sei demnach ein Mix aus einem fünfjährigen Mietenmoratorium und der Einführung einer Mietobergrenze, so Lompscher: „Wir beobachten, dass sich in den letzten Jahren das Mietniveau auf eine Art und Weise verändert hat, wodurch sich Menschen existenziell bedroht fühlen. Diese Entwicklung hat sich durch den Eintritt finanzmarktorientierter Unternehmen verschärft und seit 2008 immer stärker an Dynamik gewonnen. Wir haben nun einen Punkt erreicht, an dem man einschreiten musste.“ Mit dem Senatsbeschluss habe man nun klar ein Zeichen gesetzt.

Spagat ist notwendig. Dr. Allerkamp von der LBB nannte eine Zahl: „Wir haben hier 15 Prozent der Wohnungen in kommunaler Hand und wenn wir wirklich den Bestand erhöhen wollen, geht das nicht nur über die Kommunalen alleine, sondern auch über die Genossenschaften und die privaten Wohnungsunternehmen. All das, was wir jetzt tun, müssen wir mit Augenmaß tun. Es soll den Mietern helfen, darf aber nicht die privaten Unternehmen so verschrecken, dass sie mit ihren Bauaktivitäten in Berlin zurückfallen. Das ist, glaube ich, der Spannungsbogen, den wir hier haben. Wir wollen, dass es sich alle leisten können, hier zu wohnen, und die Bezirke sollen so durchmischt sein, dass sich die Lebensvielfalt entwickelt, und auch in den teureren Gegenden sollen Menschen leben können, die dort schon immer gelebt haben, und nicht dort verdrängt werden. Und da brauchen wir eine zügige Entwicklung von Bauland, zügige Baugenehmigungen, möglichst kostengünstiges und ökologisch vernünftiges Bauen. Dann kommt eine Preisdämpfung, die wir heute vor allem diskutieren, aber das ist nur eine Facette von ganz vielen. Mein Credo ist, bauen, bauen, bauen und gute Rahmenbedingungen schaffen. Und ich finde, wir sollten versuchen, diese Debatte zu ent-emotionalisieren, weil wir an so vielen Ecken gleichzeitig ziehen.“

Baulösungen für Berlin. Für Ingo Malter ist das Zauberwort zur Beseitigung von Wohnraummangel „Standardisierung im Neubau – ein verlässliches Produkt, das wenig Abweichungen hat, zum Beispiel in den Grundrissen je Geschoss, und kalkulierbar ist für uns als Unternehmen und die beteiligten Firmen: Wir haben versucht, mit Modulen zu bauen, und die Wohnungen waren schneller fertig, aber teurer. Deswegen setzen wir auf Serie und Standard, aber nicht auf das Modul. Wir bauen auch ohne Keller. Ich persönlich bedauere das, aber es spart einfach sehr viel an Kosten.“

Der Mietendeckel soll nicht für die Erstvermietung von Neubauten gelten.

Umwelt ist Zukunft. Matthias Trunk möchte unterdessen wissen, wie der Bausenat mit dem Thema Klimaschutz umzugehen gedenkt: „Das ist etwas, das wir nicht aus den Augen verlieren sollten, denn wir haben aus der Bewegung Fridays for Future und der Konsequenz der Europawahl gelernt, wie massiv dieses Thema doch die Wähler und die Jugend bewegt. Wir müssen das im Auge behalten.“

Klimaschutz spiele sowohl beim Neubau als auch bei der Sanierung eine wichtige Rolle, antwortet Lompscher. Damit die so entstehenden Kosten nicht auf die Mieten durchschlagen, gebe es wieder eine Modernisierungsförderung in Berlin, die jedoch bislang bedauerlicherweise nur sparsam in Anspruch genommen werde. „Ich würde es begrüßen, wenn nur noch Modernisierungsmaßnahmen förder- oder umlagefähig wären, die tatsächlich energetische Verbesserungen, Qualitätsgewinne im Sinne des Bariereabbaus oder der generationengerechten Wohnungsgestaltung mit sich bringen. Es muss sichergestellt werden, dass die Mieter nicht die größte Last tragen. Mein Credo lautet daher: Klimaschutz geht nicht ohne Mieterschutz. In puncto Klimaschutz gibt es ja jede Menge Möglichkeiten. So kann man zum Beispiel die Begrünung von Dächern schon in Bebauungsplänen festsetzen. Genau das tun wir.“ Zudem gebe es seit Kurzem neue Vorschriften zum Umgang mit Regenwasser. Ziel sei es, so wenig Regenwasser wie möglich in die Kanalisation abzugeben und so viel wie möglich auf dem Grundstück zu halten. Mittelschicht nicht vergessen. Ute Schäfer betont, dass sie den zweiten Förderweg als absolut notwendig erachtet, insbesondere als Chefin, die für Menschen mit einem soliden Einkommen verantwortlich ist, denen Wohnungen über den ersten Förderweg nicht zugänglich sind. Lompscher: „Es kann sinnvoll sein, den Kauf von Eigentum zu unterstützen. Das muss man im politischen Raum besprechen, und hier wäre eine politische, relevante Einflussnahme auf die Kaufpreise vernünftig.“

Wünsche für die Stadt. Fest steht, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Berlin, die schnoddrige Stadt mit Herz, wird sich weiter verändern. Was ist es denn, das sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde für die Zukunft der Hauptstadt wünschen würden? Senatorin Lompscher: „Berlin bewegt sich. Ich wünsche mir, dass sich dieser kulturelle Wandel, der aktuell stattfindet und den wir auch brauchen, manifestiert. Damit Berlin so bleibt, wie es ist, muss es sich verändern. Dafür ist es unerlässlich, dass die Berlinerinnen und Berliner diese Veränderung nicht als Bedrohung erfahren, sondern als Mehrwert und sie so positiv aufnehmen und wollen.“

„Gespräche werfen nicht nur auf die Fragen selbst ein neues Licht, sondern auch auf die Menschen, die sie diskutieren.“ Martin Andersen-Nexö (1869-1954), dän. Schriftsteller.

Statements der Teilnehmer

„ Mit dem Senatsbeschluss haben wir ein Zeichen gegen eine Entwicklung gesetzt, von der Mieter sich bedroht fühlen.“

Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen

„Umweltschutz bewegt die Menschen auch beim Bauen. Das müssen wir im Auge behalten.“

Matthias Trunk, Vorstandsmitglied der GASAG AG

„Unsere Strategien sind ganz klar auf Metropolen mit Wachstum und Nachfrage an Immobilien eingestellt.“

Stefan Popp, Geschäftsführer der Hanseatische Immobilien Treuhand GmbH

„Augenmaß ist nötig: Mietern helfen und die privaten Unternehmen nicht verschrecken.“

Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender bei der Investitionsbank Berlin (IBB)

„Ich wünsche mir die Möglichkeit eines Ausgleichs zwischen Wunsch und Wirklichkeit.!“

Ute Schaefer, Leiterin Kundenbetreuung und Prokuristin bei der Berliner Stadtreinigung (BSR)

„Mehr Ausbildungsmöglichkeiten sind notwendig, so wie auch mehr Motivation in den Fachbetrieben.“

Mario Ruder, Geschäftsführender Gesellschafter der Ruder Küchen und Hausgeräte GmbH

„Der Mietendeckel begünstigt auch Besserverdienende. Wir müssen uns um die wirklich Bedürftigen kümmern.“

Ingo Malter, Geschäftsführer der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH