Die neue (Mobilitäts-)Wende

 

Wie sieht es aus mit neuen Verkehrskonzepten? Ein Einblick in den „mobilen“ Status Quo Berlins.

Bestrebungen der Politik. Dirk Steeger, Geschäftsführer der Autohaus Gotthard König GmbH, zweifelt, ob die Bestrebungen der Politik nicht eine Farce sind: „Es gibt in Berlin eine Förderung für Elektromobilität für kleine Unternehmen, bei mittleren und größeren hört es auf. Die Frage ist, ob man es hier ernst meint.“

Blechblockaden im öffentlichen Raum.

Dr. habil. Weert Canzler, Sozialwissenschaftler und Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin, betonte, dass sich seine Richtung von der der Autohäuser unterscheidet: „Wir haben 1,2 Millionen Autos in Berlin, die zum großen Teil nicht benutzt werden. Es kann nicht sein, dass man Autos in der Stadt abstellt, nichts zahlt, abgesehen von den 10,20 Euro pro Jahr als Anwohner, und öffentlichen Raum in Anspruch nimmt, der nicht für anderes genutzt werden kann.“

Der E-Scooter Betrug. Ist Carsharing tatsächlich umweltfreundlich? Prof. Jansen, Geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für urbane Mobilität: „Es entsteht durch Carsharing zusätzlicher Verkehr, der ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr ersetzt. Zudem ist der E-Scooter ein desaströses Konzept. Er schafft eine Emission, mit der er oberhalb des ÖPNV-Dieselbusses liegt. Und das wird uns von Start-ups als ökologische Revolution verkauft.“

Vorreiter Berlin.

Dr. Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der GASAG AG, betonte, es sei wichtig, etwas miteinander zu entwickeln. Generell fehle ein Gesamtkonzept. Es gebe Ideen, aber nur ein „entweder-oder“.

Dennoch gibt Berlin die Richtung vor. Jansen betonte, dass die Hauptstadt ein Mobilitätsgesetz verabschiedet hat, das deutschlandweit neu ist: „Alle Städte schauen im Bereich Regulierung und Geschäftsmodelle auf Berlin. Jetzt kommt es zur Umsetzung. Was nicht klappt, sind unsere Lerneffekte.“

14 Prozent der Haushalte haben sich in Metropolen für Carsharing angemeldet.

Status quo nicht haltbar. Voraussicht und Konsequenz seien notwendig, betonte Gelbhaar: „Wenn wir das weiter so handhaben, mit dem Gedanken, wir wollen keinem wehtun, ist das ein endliches Szenario. Unsere Gesellschaft muss auf die Klimakrise eine Antwort finden, alles andere wird zu Konflikten führen.” Die Berliner seien offen für Veränderungen, diese müssten aber plausibel sein, so Gelbhaar weiter.

Die Frage, die jeder für sich entscheiden muss ist, wie er mit Veränderungen umgeht. Und das wird entscheidend dafür sein, wie leicht oder schwer ein Wandel vonstatten geht.

Jeden Tag legen die Deutschen gut 3,2 Milliarden Kilometer zurück.

Statements der Teilnehmer

Man muss Konzepte schaffen, und da ist die Politik in meinen Augen mehr als gefordert.

Josef Zimmer, Geschäftsführer, Zweirad-Center Stadler GmbH

Jüngere nutzen viel Carsharing, aber die Frage ist, ob das nun umweltfreundlicher ist.

Dirk Steeger, Geschäftsführer, Autohaus Gotthard König GmbH

Wir müssen heute etwas schaffen, das in 20 oder 30 Jahren noch von Nutzen ist.

Thomas Schäfer, Geschäftsführer, Stromnetz Berlin GmbH

Es geht um Eco-Mobilität. Was sind die besten Antriebe und welche alternativen Kraftstoffe können wir einsetzen?

Dr. Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender GASAG AG

Es kann nicht sein, dass man Autos einfach so in der Stadt abstellen kann und öffentlichen Raum blockiert.

Dr. habil. Weert Canzler, Leitung der „Projektgruppe Mobilität“ im Wissenschaftszentrum Berlin

Technologie ist nicht alles: Wir müssen auf soziale Innovation setzen – und Radfahren.

Stephan Jansen, Geschäftsführer, BICICLI Holding GmbH

Ich wünsche mir eine Umweltverträglichkeit, die uns allen weiterhilft.

Bernd Quinque, Geschäftsführer, Bernd Quinque Autohaus GmbH

Berliner sind sehr offen für Veränderungen. Die müssen aber plausibel sein.

Stephan Gelbhaar, Sprecher für städtische Mobilität und Radverkehr, Obmann im Verkehrsausschuss, Bündnis 90/Die Grünen