Für jeden etwas dabei

Anders als in vielen anderen Schwimmhallen Berlins kommen die Gäste im Stadtbad Schöneberg aus allen Ecken der Stadt. Nicht ohne Grund: Das Stadtbad an der Hauptstraße bietet für alle etwas – hier kann nicht nur sauniert und geschwommen werden, es gibt auch eine 53 Meter lange Rutsche, zwei Kinderbecken, ein ganzjährig betriebenes Außenbecken mit Strömungskanal, außerdem einen Spaßbereich sowie Solebecken und Whirlpool. Die Wassertemperatur ist mit 30 Grad höher als in den meisten anderen Bädern.

Das Erfolgsrezept, das nun auch für die neuen Schwimmhallen in Berlin gelten soll, ist simpel: Verschiedene Becken für verschiedene Bedürfnisse, heißt das Motto. Wer schwimmt schon gern auf Bahnen, in denen der Startblock von einer Gruppe Jugendlicher bevölkert ist, die möglichst ausdrucksvoll und mit viel Gespritze ins Wasser eintauchen wollen. Deshalb hat das Stadtbad Schöneberg für alle Badebedürfnisse etwas im Angebot. Das war natürlich nicht schon immer so.

Eine Million Reichsmark standen dem Architekten, dem Schöneberger Stadtbaurat Heinrich Lassen, zur Verfügung, als das Bad Ende der 1920er-Jahre gebaut wurde. Als das Stadtbad schließlich öffnete, gab es nur einen Pool mit 33,3 Metern Länge, der auf einer Seite flach war, damit dort die Nichtschwimmer baden konnten. Bis 1989 blieb das Bad dergestalt, dann musste es wegen Einsturzgefahr geschlossen werden.

Umgerechnet etwa 27,5 Millionen Euro ließ sich der Bezirk Schöneberg die Sanierung kosten. Zur Eröffnung 1999 war das Bad nicht wiederzuerkennen: Der lange Pool war geteilt worden in ein 25-Meter-Becken und ein Nichtschwimmerbassin. Ein Spaßbereich mit Rutsche war hinzugekommen, außerdem ein Solebecken, Whirlpools und eine Sauna. Schnell entwickelte sich das Bad zum Publikumsmagneten. Doch die Freude hielt nur zehn Jahre. Weil die Baufirmen nicht sorgfältig gearbeitet hatten, war das Bad 2009 wieder ein Sanierungsfall.

Lang war die Liste der Schäden – und während der Bauarbeiten kamen immer mehr hinzu. Schließlich mussten alle Fliesen im Bad entfernt und die Becken neu abgedichtet werden. Die Duschen wurden demontiert, die Wasseraufbereitung musste erneuert werden. Weil die Kosten immer höher wurden, entschieden die Berliner Bäder, einige Investitionen aufzuschieben. Bis heute ist deshalb die Sauna stillgelegt. Dennoch kostete die Sanierung 7,1 Millionen Euro.

Seit der Wiedereröffnung 2012 trägt das Bad den Zusatz „Hans Rosenthal“. Der frühere Fernseh-Entertainer, der aus Berlin stammte, hatte im Bad als Erwachsener schwimmen gelernt – als Kind war ihm das in den 1930er-jahren verwehrt geblieben, da er Jude war.

In den vergangenen Monaten war das Bad wegen aufwändiger Reparaturarbeiten geschlossen,
seit dem 2. Dezember ist es wieder offen.