Wie alles begann

Die Wurzeln von Karls liegen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Rostock. Im Jahr 1921 beginnt ein gewisser Karl Dahl, hier Obst und Gemüse anzubauen. Zweimal in der Woche belädt Dahl ein Pferdefuhrwerk, kutschiert seine Erzeugnisse auf den Markt und verkauft sie dort. Dass er zur Gründungsfigur eines Familienbetriebs werden wird und sein Name wie kein anderer mit dem Thema Erdbeeren verknüpft sein wird – für den späteren Opa Karl sicher kein Gedanke.

Denn der Obstbauer hat bald ganz andere Probleme: 1945 muss er mit seinen fünf Kindern aus dem Rostocker Raum flüchten und lässt sich in Schleswig-Holstein nieder. Im Dörfchen Warnsdorf baut sich Dahl erneut einen Betrieb auf: Die benachbarten Marmeladenwerke aus Bad Schwartau benötigen Erdbeeren – und die kann Dahl liefern.

Die Zusammenarbeit nimmt erst Jahrzehnte später ein Ende, als nach dem Fall des Eisernen Vorhangs günstigere Konkurrenz aus Osteuropa auf den Markt drängt. Dahls Sohn Karl-Heinz, der das Familienunternehmen mittlerweile übernommen hat, muss sich neu erfinden. Eine zündende Idee kommt ihm, als er gemeinsam mit seiner Tochter Ulrike Fotos von ihrem Austauschjahr in Großbritannien anschaut: Auf einem Schnappschuss aus dem Tennis-Mekka Wimbledon ist ein Verkaufsstand in Form einer Erdbeere zu sehen, aus dem „Strawberries and Cream“, also Erdbeeren mit Schlagsahne, verkauft werden. „Da hat es sofort klick gemacht“, erinnert sich Robert Dahl, Bruder von Ulrike und Inhaber von Karls. Zwei Tage später steht ein solcher Stand, per Anhänger aus England transportiert, auf dem Hof der Familie Dahl in Warnsdorf. Nach seinem Vorbild werden nun die ikonischen Karls-Stände gebaut, die heute auch im sommerlichen Berlin vielerorts zu sehen sind.

Die Geschichte eines Familienunternehmens

  1. Geschichte Karls Erlebnis-Dorf_Robert-mit-Opa Karl Dahl

    1921

    Karl Dahl gründet einen Landwirtschaftsbetrieb und verkauft selbst angebautes Obst und Gemüse auf dem Rostocker Markt. Schon damals sehr beliebt: die leckeren Erdbeeren.

  2. 1945

    In den Wirren des Kriegsendes fliehen Dahl und seine Familie vor der Roten Armee und lassen ihren Hof zurück. In Schleswig-Holstein baut Dahl erneut einen Landwirtschaftsbetrieb auf.

  3. 1955

    Jackpot! Die Bad Schwartauer Marmeladenwerke schließen einen Lieferantenvertrag mit Dahl ab – und nehmen ihm die gesamte Erdbeer-Ernte für Jahrzehnte ab.

  4. Geschichte Karls Erlebnis-Dorf

    1984

    Nach dem Tod Karl Dahls übernimmt Sohn Karl-Heinz den Betrieb.

  5. Geschichte Karls Erlebnis-Dorf

    1989

    Nach dem Fall der Mauer setzen die Marmeladenwerke in Bad Schwartau auf günstigere Lieferanten aus Osteuropa. Dahl muss neue Abnehmer für seine Erdbeeren finden.

  6. 1992

    Animiert von einem Brief seines Vaters kehrt Robert Dahl in die Heimat seines Opas Karl zurück und gründet einen eigenen Betrieb – den Erdbeer-Hof Rövershagen.

  7. 2001

    Was als kleiner Erdbeer-Anbau mit Straßenverkauf begann, hat sich mittlerweile zu einem Kultort mit verschiedenen Freizeitangeboten entwickelt. Dahl lässt sich ein neues Firmenlogo entwerfen und benennt den Betrieb nach seinem Opa in „Karls 1921“ um – das Freizeitangebot trägt nun den Namen „Karls Erlebnis-Dorf“.

  8. Blick_von_der_Kartoffelsackrutsche_in_Elstal_bei_Berlin Von M.Knaak - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

    2014

    In Elstal bei Berlin eröffnet ein neues Erlebnis-Dorf, neben dem Stammsitz in Rövershagen und zwei weiteren Dörfern das bis dahin insgesamt vierte.

  9. Gummibeerchen-Land-Schlittschuhbahn Karls Erlebnis-Dorf

    2018

    Karls Erlebnis-Dorf baut sein Angebot im Berliner Raum stetig aus. Im April öffnet die einzige Achterbahn in Berlin und Brandenburg, seit Dezember gibt es mit dem Gummibeerchen-Land weitere Angebote im nostalgischen Jahrmarktflair.

Vom Erdbeer-Hof zum Erlebnis-Dorf

Anfang der 1990er-Jahre säumen die Erdbeerhäuschen die Bundesstraße 105 beim Örtchen Rövershagen. Nach einer Obstbaulehre ist Robert Dahl dorthin zurückgekehrt, wo sein Opa Karl einst Obst und Gemüse anbaute. Vorausgegangen war ein 17-seitiger Brief, den Robert Dahl von seinem Vater erhielt.

Auf den letzten beiden Seiten kam mein Vater dann zur Sache und schlug mir vor, mich selbstständig zu machen – dort, wo wir ursprünglich herkommen.“

Die handgeschriebenen Zeilen mit der prophetischen Feststellung, dass „die endgültige Betriebsgröße durch die Absatzmöglichkeiten bestimmt“ wird, hängen noch heute in Dahls Büro, sie sind gewissermaßen das Gründungsdokument von Karls: Mit gerade einmal 22 Jahren wird Robert Dahl Inhaber eines eigenen Betriebs in der Heimat seines Großvaters. Doch vom „Erdbeerhof Rövershagen“, wie Dahls Unternehmen zunächst heißt, fahren keine Pferdekutschen mehr in die Stadt – die Stadt kommt zu ihm. Ostseetouristen halten an, als sie die roten Häuschen am Straßenrand sehen. Und weil sie sich nicht nur für frisch geerntete Erdbeeren interessieren, sondern auch Kaffee, Landsalami und Kunsthandwerk kaufen, entsteht ein Angebot, das nicht nur in den Erntemonaten attraktiv ist. Selbst im Winter besuchen Gäste den Erdbeerhof – nicht zuletzt auch deshalb, weil hier die ganze Familie auf ihre Kosten kommt.

Draußen vor der Tür entstand ein einfacher Spielplatz, so war der Grundstein gelegt für das heutige Erlebnis-Dorf“, sagt Robert Dahl.

Damit sich auch in kälteren Monaten niemand vom sommerlichen Namen „Erdbeerhof“ abgeschreckt fühlt, benennt Dahl den Betrieb nach seinem Großvater um: Anfang der 2000er-Jahre prangt plötzlich „Karls 1921“ über dem Hof in Rövershagen – die Gäste sind begeistert.

Unzufriedenheit zieht dagegen zwischenzeitlich in den Köpfen hinter „Karls“ ein: Die Geschwister Ulrike und Robert und dessen Ehefrau Stephanie wollen der organisch gewachsenen Mischung aus Gastronomie, Handel und Erlebnis eine klarere Zielrichtung geben.

Wir wollten aus Karls ein Unternehmen machen, das uns selbst gefällt“, sagt Dahl – kreativ, authentisch, familiär, großzügig, liebevoll und augenzwinkernd soll Karls sein.

Dafür wird an vielen Stellschrauben gedreht. Das Brot, bisher aus Backmischungen gemacht, entsteht nun nur noch aus vier klassischen Zutaten. Und man kann dabei zuschauen: In die Manufakturen, die in den deutschlandweit mittlerweile fünf Erlebnis-Dörfern zu finden sind, gibt es wahrhaft authentische Einblicke in die Herstellung verschiedener Karls-Leckereien.

Fruchtsaftgummi-Manufaktur-Els_Karls Erlebnis-Dorf

Saftige Frische tropft in die Beerchenform.

Auch in Elstal bei Berlin bilden sie den Kern eines spannenden Freizeitangebots, das von Achterbahn bis Autoscooter, von Spielplatz bis Streichelzoo reicht. Mit dem neuen Gummibeerchen-Land hat Karls seiner Erfolgsgeschichte gerade erst ein neues Kapitel hinzugefügt. Und die nächsten Ideen stehen bereits in den Startlöchern …