Karls Erlebnis-Dorf belebt die Berliner Freizeitpark-Tradition wieder

Was haben das polnische Dorf Kownaty und die sächsische Metropole Leipzig gemeinsam? Wer in Berlin einmal richtig Karussell oder Achterbahn fahren wollte, musste eine mehrstündige Autofahrt zu einem dieser Orte in Kauf nehmen: Ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt war in Sachen Freizeitpark lange Zeit der Hund begraben.

Doch die Durststrecke ist jetzt vorbei: 2014 eröffnete in Elstal bei Berlin eines von heute fünf Karls Erlebnis-Dörfern in ganz Deutschland – gut erreichbar gleich an der B5 gelegen. Aus Berlin kann jeder schnell vorbeikommen.

Entwurf des neu eröffneten Gummibeerchen Lands.

Eigentlich versorgt Karls die Berliner mit frischen Erdbeeren und weiterverarbeiteten Produkten, etwa der leckeren Marmelade. Aus der Idee, die Produkte in einer Art Hofladen anzubieten, entwickelte sich ein spannendes Freizeitangebot mit Fahrgeschäften und Einblicken in die Herstellung der Karls-Spezialitäten.

Nun wird das Angebot zunehmend erweitert – und das Erlebnis-Dorf in einen richtigen Freizeitpark verwandelt.

Damit knüpft Karls an eine lange Freizeitpark-Tradition an: Bereits im 19. Jahrhundert vergnügten sich die Berliner mit Würfelbuden, Feuerwerk und Fahrgeschäften am Schloss Weißensee oder der Neuköllner Hasenheide. Und Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich mit dem Lunapark einer der größten Freizeitparks in Europa in der preußischen Hauptstadt.

Der Lunapark zählte seinerzeit zu den größten Vergnügungsparks der Welt.

Im nationalsozialistischen Deutschland fand die Freizeitparkkultur ein jähes Ende: Der Lunapark wurde bereits 1933 geschlossen. Lediglich die „Neue Welt“ in der Hasenheide feierte mehrere Wiederauferstehungen, ehe hier 1982 endgültig die Lichter ausgingen.

Von Unbekannt - "Berlin in alten ansichten", Gemeinfrei

1872

Der Gastronom Rudolf Sternecker eröffnet am Schloss Weißensee einen Vergnügungspark. Das „Welt-Etablissement Schloss Weißensee“ lockt mit Musikpavillon, Würfelbuden und Karussells.

1880

Sternecker baut auch in der Neuköllner Hasenheide einen Biergarten zum Freizeitpark aus: Die „Neue Welt“ beeindruckt ihr Publikum mit nachgestellten Seeschlachten und einer Holzachterbahn.

1904

In Berlin öffnen die „Terrassen am Halensee“ ihre Pforten. Aus ihnen geht fünf Jahre später der Luna-Park hervor – seinerzeit einer der größten Freizeitparks Europas. Mit Attraktionen wie einem Wellenbad, Wackeltreppe und Wasserrutschbahn zieht er die Berliner in seinen Bann – die Millionenmarke wird bereits 1910 geknackt.

Berlin Lunapark - Luftaufnahme - 8.4.1935 – Menschenleer

1933

Der Lunapark schließt seine Pforten. In dem leerstehenden Park taucht der von den Nationalsozialisten verfolgte Puppenspieler Alfredo Bannenberg kurzzeitig unter. 1935 wird der Park komplett abgerissen, um Platz für eine Verbindung vom Olympiastadion zur Deutschlandhalle zu schaffen.

1936

In der Schönholzer Heide versucht eine Schaustellergemeinschaft, mit dem „Traumland“ den Lunapark zu beerben. Riesenrad, Himalayabahn und Tanzpavillon sind nur einige der Attraktionen. 1940 wird ein Zwangsarbeiterlager auf dem Gelände errichtet und der Park geschlossen.

1969

In Treptow öffnet mit dem Kulturpark Plänterwald der einzige Freizeitpark der DDR. Zu den zahlreichen Fahrgeschäften zählt auch ein Riesenrad, das mit seiner Höhe von 45 Metern noch heute aus der Ferne zu sehen ist.

1991

Nach der Wiedervereinigung wird der Kulturpark abgewickelt und als „Spreepark“ nach westlichem Vorbild umgestaltet. Bei Eintrittspreisen von 29 Mark lockt der Park etwa mit einer Wasserlandschaft.

2001

Nach finanziellen Problemen schließt der Spreepark seine Pforten. Pläne eines Revivals verlaufen immer wieder im Sand. Berlins Freizeitpark-Tradition scheint ein Ende zu finden.

2014

In Elstal bei Berlin öffnet das bis dahin vierte „Karls Erlebnis-Dorf“ in Deutschland. Das Freizeitangebot mausert sich schnell zum beliebten Ausflugsziel. 2018 beginnt der rasante Ausbau des Standortes zum Erdbeerland mit vielen Attraktionen, unter anderem einer Achterbahn.

Spreepark als letzte Bastion

Im anderen Teil der mittlerweile getrennten Stadt hatte sich da inzwischen ein anderer Freizeitpark etabliert: Als einziger Vergnügungspark in der DDR wurde 1969 der Kulturpark Plänterwald gegründet, der als Spreepark auch nach der Wende Anziehungspunkt für Berliner und Brandenburger war.

Seit fast 20 Jahren ist der Park verlassen, lediglich für gelegentliche Führungen kommen noch Besucher her. Das Riesenrad, das nach wie vor über den Dächern der Stadt ragt, erinnert an eine Zeit, in der Berliner Vergnügungsfans keine Städtereisen unternehmen mussten.

Berlin_Spreepark_UAV_04-2017_vonA.Savin_WikimediaCommons_WikiPhotoSpace_Eigenes Werk

Markante Landmarke: Das Riesenrad des geschlossenen Spreeparks ragt noch immer über der Hauptstadt.

Mit Karls Erlebnis-Dorf kommt diese Zeit nun wieder! Die aufregende Achterbahn ist dafür nur ein Beispiel. Am 1. Dezember eröffnet das neue Gummibeerchen-Land, das mit Klassikern wie Autoscooter oder Schießbude und Attraktionen wie einem Free-Fall-Tower lockt. Das sollten Sie nicht verpassen – sichern Sie sich ein Tagesticket für den neuen Freizeitpark und nehmen Sie am Gewinnspiel teil!