Raus aus der Stadt

Berlin boomt – so sehr, dass es manchem zu teuer wird. Der Speckgürtel um die Hauptstadt gewinnt deshalb zunehmend an Attraktivität.

Laut der aktuellen Studie von PriceWaterhouseCoopers „Emerging Trends in Real Estate Europe 2020 – Climate of Change“ steht Berlin im EU-weiten Städteranking nach Paris auf Platz zwei. Berücksichtigt bei der Erhebung wurden nicht nur die Perspektiven für Entwicklung und Investment, sondern auch die Anzahl der Entscheider, die in eine bestimmte Stadt investieren würden.

Das Umland profitiert
Der Boom macht sich auch im Umland bemerkbar, in das auch viele Investoren nun ausweichen. Laut Till Brühofener-McCourt, Head of Research bei der Ziegert Group, hat diese Entwicklung bereits in anderen deutschen Städten stattgefunden: „In Frankfurt zwischen den Kernstädten wie Wiesbaden, Darmstadt findet man heute Eigentumswohnungsprojekte, wo vor zehn Jahren nur Einfamilienhäuser gebaut wurden. Die Bauträger haben sich aber schon in den letzten Jahren mit dem Berliner Speckgürtel beschäftigt, weil der Mangel an Grundstücken innerhalb Berlins seit einer Weile ein Thema ist.” Demzufolge sind in der Relation die Preise für Eigentumswohnungen im Umland stärker gestiegen als in der Stadt selbst.

Auffällig in Sachen Projektentwicklung ist inzwischen die Achse Schönefeld-Adlershof-Königs Wusterhausen, meint Brühofener-McCourt: „Da hat sich sehr viel getan. Aber auch immer gefragter und bereits länger im Prozess der Entwicklung ist die Lage in Richtung Bernau und abseits von Potsdam-Stadt in Richtung Norden. Dort hat es die eine oder andere große Ansiedlung gegeben und auch Wohnhäuser, die einem gehobenen Standard entsprechen. Mit Letzterem wird eine Klientel bedient, die im Grünen wohnen, aber auch Zugang zur Infrastruktur in Potsdam haben will. Kladow und Staaken sind hier in diesem Zusammenhang zu nennen.“ Umzugsbewegungen ins Umland sind allerdings nichts Neues – schon vor Jahren zog es so manchen nach Kleinmachnow oder Stahnsdorf und natürlich Potsdam-Mittelmark. Brühofener-McCourt: „Die Immobilienpreise werden sich dort noch verstärken. Die Anbindung an Berlin ist vorhanden, die Gebiete sind sehr gut erschlossen und das Land Brandenburg zeigt auch Bestrebungen, dies noch weiter zu verbessern. Zu Kleinmachnow ist zu sagen, dass es aufgrund seiner Historie als Kürschnerstädtchen der DDR-Bürger am Rande von Berlin für viele einen besonderen Charme vermittelt. Es gibt inzwischen kaum noch Grundstücke dort – und das, obwohl man ein Auto braucht, denn es gibt nur eine Busanbindung nach Berlin. Wer dort jetzt sein Haus verkaufen möchte, muss sich keine Sorgen machen, dafür einen Käufer zu finden.”

Beelitz: eine neue Infrastruktur
Zu den Gebieten, die besser erschlossen sind, gehört zum Beispiel Beelitz. Mit dem Regionalzug braucht es rund 30 Minuten bis in die City West. In Beelitz-Heilstätten ist derzeit eine bedeutende Projektentwicklung samt Infrastruktur im Gange. Laut Brühofener-McCourt liegen die Preise für Käufer dort unter denen in Potsdam oder auch Teltow-Fläming, direkt an der Stadtgrenze.

Der Trend ist aber auch hier unverkennbar: Das Immobilienbewertungsunternehmen Sprengnetter jedenfalls schreibt in seinem aktuellen Monitoring, dass deutschlandweit die Immobilienpreise besonders stark im weiteren Umfeld von Metropolen ansteigen, und zwar auf über zehn Prozent des Vorjahresniveaus. Besonders dynamisch entwickeln sich demnach die Immobilienpreise rund um Berlin.

Im Villenpark Potsdam-Groß Glienicke zwischen Berlin und Potsdam entstehen fünf repräsentative Doppelhäuser.